Woher das Spurenelement in unserer Nahrung stammt
Mangan gelangt über die Wurzeln in Pflanzen und von dort auf den Teller. Der Gehalt eines Lebensmittels hängt deshalb stark davon ab, worauf es gewachsen ist und welcher Teil der Pflanze verzehrt wird. Randschichten und Keimlinge von Getreide enthalten deutlich mehr als das ausgemahlene Mehlinnere, weshalb Vollkornprodukte in jeder Gehaltstabelle weit oben stehen.
Tierische Lebensmittel liefern vergleichsweise wenig. Fleisch, Fisch, Milch und Eier bewegen sich meist im Bereich von Hundertstel-Milligramm je hundert Gramm. Die Manganzufuhr eines Haushalts hängt daher fast vollständig an der pflanzlichen Seite des Speiseplans.
Warum Vollkorn und Nüsse so weit vorn liegen
In der Aleuronschicht des Getreidekorns lagern Mineralstoffe in gebundener Form, meist als Salze der Phytinsäure. Beim Ausmahlen zu Weißmehl geht dieser Anteil größtenteils verloren. Nüsse und Ölsaaten wiederum sind gewissermaßen konzentrierte Keimlinge und bringen entsprechend hohe Gehalte mit.
| Lebensmittel | Mangan je 100 g | Anteil am Referenzwert |
|---|---|---|
| Weizenkeime | ca. 9,0 mg | rund 450 % |
| Haselnüsse | ca. 5,7 mg | rund 285 % |
| Haferflocken | ca. 4,5 mg | rund 225 % |
| Naturreis, ungekocht | ca. 3,5 mg | rund 175 % |
| Walnüsse | ca. 3,4 mg | rund 170 % |
| Vollkornbrot | ca. 2,0 mg | rund 100 % |
| Linsen, getrocknet | ca. 1,3 mg | rund 65 % |
| Ananas, frisch | ca. 0,9 mg | rund 45 % |
| Spinat | ca. 0,6 mg | rund 30 % |
| Rindfleisch | ca. 0,02 mg | unter 2 % |
Gerundete Orientierungswerte aus gängigen Nährwerttabellen. Der Referenzwert beträgt 2 mg pro Tag gemäß Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011.
Tee als unübliche, aber ergiebige Quelle
Getrocknete Teeblätter gehören zu den manganreichsten pflanzlichen Materialien überhaupt. Beim Aufgießen geht ein Teil davon in das Getränk über, sodass eine Tasse schwarzer oder grüner Tee je nach Ziehzeit einen messbaren Beitrag zur Tageszufuhr leistet. In Bevölkerungsgruppen mit hohem Teekonsum ist Tee rechnerisch eine der drei größten Quellen.
Was im Bindegewebe tatsächlich passiert
Bindegewebe verbindet nicht nur, es trägt, polstert, leitet und speichert Wasser. Seine mechanischen Eigenschaften entstehen aus dem Zusammenspiel von Fasern und Grundsubstanz. Die Fasern geben Zugfestigkeit, die Grundsubstanz Druckelastizität. Beide Anteile werden von Zellen hergestellt, die dafür eine ganze Reihe von Enzymen einsetzen.
Mangan als Kofaktor der Glykosyltransferasen
Proteoglykane sind Proteine, an die lange Zuckerketten gehängt werden. Diese Verknüpfung übernehmen Glykosyltransferasen, und viele von ihnen benötigen ein zweiwertiges Metallion, um das Zuckersubstrat korrekt zu positionieren. Mangan gehört zu den Ionen, die diese Position ausfüllen können. Genau daraus leitet sich die zugelassene Angabe zur Bindegewebsbildung ab.
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Die Mangan-Superoxiddismutase in den Mitochondrien
Die MnSOD ist eines der wenigen Enzyme, deren Name das gebundene Metall bereits enthält. Sie arbeitet in der mitochondrialen Matrix und setzt Superoxid-Radikale zu Wasserstoffperoxid um, das anschließend von Katalase und Glutathionperoxidase weiterverarbeitet wird. Ohne diesen ersten Schritt würde Superoxid mit Eisen-Schwefel-Zentren der Atmungskette reagieren.
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Referenzwerte, Zufuhr und Obergrenzen
Für Mangan existiert kein abgeleiteter Bedarfswert im engeren Sinn, weil die Datenlage für eine Bedarfsableitung nicht ausreicht. Fachgesellschaften arbeiten deshalb mit Schätzwerten für eine angemessene Zufuhr. Auf Lebensmittelverpackungen erscheint dagegen der einheitliche EU-Referenzwert von 2 mg, an dem die Prozentangaben ausgerichtet sind.
| Bezugsgröße | Wert | Herkunft der Zahl |
|---|---|---|
| EU-Referenzwert (Kennzeichnung) | 2,0 mg pro Tag | Anhang XIII, Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 |
| Schätzwert Erwachsene | 2,0–5,0 mg pro Tag | Referenzwerte der deutschsprachigen Fachgesellschaften |
| Angemessene Zufuhr, Erwachsene | 3,0 mg pro Tag | EFSA-Gutachten zu Mangan (2013) |
| Angemessene Zufuhr, Kinder 7–10 Jahre | 1,5 mg pro Tag | EFSA-Gutachten zu Mangan (2013) |
| Tolerierbare Höchstmenge | nicht abgeleitet | Datenlage für eine Ableitung nicht ausreichend |
Die Werte dienen der Einordnung und ersetzen keine individuelle Ernährungsberatung.
Phytat, Eisen und die Konkurrenz um denselben Transportweg
Der Gehalt eines Lebensmittels und die tatsächlich aufgenommene Menge sind zwei verschiedene Größen. Aus einer gemischten Kost werden geschätzt nur wenige Prozent des enthaltenen Mangans resorbiert. Phytinsäure aus Getreide und Hülsenfrüchten bindet das Ion und senkt die Aufnahme — ausgerechnet in jenen Lebensmitteln, die die höchsten Gehalte aufweisen. Auch Eisen und Mangan nutzen teilweise denselben Transporter in der Darmschleimhaut, weshalb eine sehr hohe Eisenzufuhr die Manganaufnahme rechnerisch senkt.
Einweichen, Keimen und lange Teigführung bauen einen Teil des Phytats ab. Das ist der Grund, warum langsam geführtes Sauerteigbrot in Bioverfügbarkeitsstudien besser abschneidet als schnell gebackenes Vollkornbrot mit identischem Gehalt.
Was der Körper mit dem Überschuss macht
Aufgenommenes Mangan wird überwiegend über die Leber in die Galle abgegeben und mit dem Stuhl ausgeschieden. Dieser Weg ist der wesentliche Regelmechanismus. Deshalb liegen Blutwerte allein selten aussagekräftig vor, und deshalb betrifft eine überhöhte Belastung in der Fachliteratur vor allem Situationen, in denen die Aufnahme den Darm umgeht — etwa bei parenteraler Ernährung oder bei beruflicher Staubexposition.
Vier zugelassene Angaben, einzeln betrachtet
Die folgende Übersicht gibt den zugelassenen Wortlaut wieder. Jede Angabe steht für sich und gilt jeweils für Mangan allein. Eine Zusammenfassung mehrerer Angaben zu einem Satz wäre rechtlich nicht zulässig.
Der Wortlaut im EU-Register
- „Mangan trägt zu einer normalen Bindegewebsbildung bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
- „Mangan trägt zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
- „Mangan trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
- „Mangan trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei“
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Die Bedingung hinter jeder Angabe
Eine zugelassene Angabe darf nicht beliebig verwendet werden. Sie setzt voraus, dass das jeweilige Lebensmittel mindestens eine signifikante Menge des Nährstoffs enthält — bei den meisten Erzeugnissen sind das 15 % des Referenzwerts je 100 g, also 0,3 mg Mangan. Erst dann ist die Angabe zulässig, und auch dann nur im exakten Wortlaut oder in einer bedeutungsgleichen Formulierung, die den Verbraucher nicht weiter führt als das Original.
Was eine solche Angabe ausdrücklich nicht sagt: dass eine höhere Zufuhr einen zusätzlichen Effekt hätte, dass ein Beschwerdebild sich dadurch ändert oder dass ein Produkt einer ärztlichen Maßnahme gleichkäme.
Fragen, die uns per E-Mail erreichen
Steckt in einem gemischten Speiseplan überhaupt genug Mangan?
Erhebungen zur Ernährung in Mitteleuropa kommen typischerweise auf Zufuhrmengen im Bereich der genannten Schätzwerte, sofern Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte regelmäßig vorkommen. Wer überwiegend Weißmehlprodukte und tierische Lebensmittel isst, liegt rechnerisch niedriger. Eine belastbare Aussage über die eigene Situation kann nur eine ärztliche oder ernährungsfachliche Einschätzung liefern.
Warum wird Mangan seltener besprochen als Eisen oder Zink?
Weil ein Mangel beim Menschen unter normalen Ernährungsbedingungen kaum dokumentiert ist. Die Fallberichte stammen fast ausschließlich aus experimentellen Diäten oder aus klinischen Sondersituationen. Ein Thema ohne verbreitetes Mangelbild bekommt in der Ratgeberliteratur weniger Raum — was nichts über die biologische Bedeutung des Elements aussagt.
Warum steht in den zugelassenen Angaben immer das Wort „normal“?
Das Wort grenzt den Aussagegehalt ein. Die Angabe beschreibt einen Beitrag zum regulären Ablauf einer Körperfunktion, nicht deren Steigerung und nicht die Beeinflussung eines Krankheitsverlaufs. Diese sprachliche Vorsicht ist keine Formalie, sondern Bedingung der Zulassung.
Geht Mangan beim Kochen verloren?
Mangan ist ein Mineral und wird durch Hitze nicht zerstört. Es kann jedoch ins Kochwasser übergehen. Wer das Kochwasser von Hülsenfrüchten oder Gemüse verwirft, verliert einen Teil des gelösten Anteils; Garen mit wenig Wasser oder Weiterverwenden des Suds vermeidet das.
Was steht im kostenpflichtigen PDF, das hier fehlt?
Die ausführliche Lebensmitteltabelle mit rund 90 Positionen, Rechenbeispiele für typische Tagesspeisepläne, die vollständigen Fundstellen der EFSA-Gutachten sowie ein Kapitel zu Bioverfügbarkeit und Messmethoden.